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Das geht aus einer Analyse hervor, die im Fachjournal Circulation: Population Health and Outcomes (2026; DOI: 10.1161/CIRCOUTCOMES.125.012657) veröffentlicht wurde.

Das US-Forschungsteam analysierte 169 Folgen geskripteter Fernsehserien, in denen eine kardiopulmonale Reanimation thematisiert wurde. In 93 Episoden wurde ein außerklinischer Herzstillstand dargestellt, in 85 davon kam es zu Wiederbelebungsmaßnahmen.

In Serien und Krimis stehe die Dramaturgie im Vordergrund, nicht die korrekte Abbildung medizinischer Abläufe. Wiederbelebung werde häufig als dramaturgisches Element genutzt, ohne Anspruch auf Realitätsnähe. „Von Serienmachern heißt es dazu: Wir haben keinen Bildungsauftrag für Reanimation.“ Daher sind aus Sicht von Jan-Thorsten Gräsner, Direktor des Instituts für Rettungs- und Notfallmedizin am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein,  medizinisch ungenaue Darstellungen in fiktionalen Formaten grundsätzlich „keine Überraschung“.

Häufige Fehler bei der Darstellung

Das US-Forschungsteam analysierte 169 Folgen geskripteter Fernsehserien, in denen eine kardiopulmonale Reanimation thematisiert wurde. In 93 Episoden wurde ein außerklinischer Herzstillstand dargestellt, in 85 davon kam es zu Wiederbelebungsmaßnahmen.

Weniger als ein Drittel der Szenen zeigte jedoch die in den USA empfohlene Vorgehensweise korrekt – also den Notruf und unmittelbar beginnende Thoraxkompressionen ohne vorherige Pulskontrolle oder Beatmung.

Nach Angaben der Forschungsgruppe zeigten fast die Hälfte der untersuchten TV-Folgen Praktiken, die in den USA für die Laien-Reanimation als veraltet gelten, wie Mund-zu-Mund-Beatmung (48 %) oder eine Pulskontrolle (43 %).

Gräsner sieht die größten Probleme jedoch darin, dass die Reanimationen in der Regel viel zu kurz dargestellt wird. „Da wird fünfmal gedrückt und danach ist gut.“ Häufig werde suggeriert, dass Reanimation entweder sofort erfolgreich oder rasch aussichtslos sei. „Das sind die falschen Bilder, die vermittelt werden.“

In der Realität müsse oft über mehrere Minuten reanimiert werden, bis der Rettungsdienst eintreffe – die körperlichen Anstrengungen und die Dauer der realen Wiederbelebung spielten in fiktiven Formaten kaum eine Rolle. Dadurch entstünden unrealistische Erwartungen an Ablauf und Erfolgsaussichten.

Hinzu komme die falsche Technik. „Es wird falsch gedrückt: Drucktiefe, Druckfrequenz, Druckpunkt. Denn das kann auf einem Schauspieler gar nicht korrekt dargestellt werden“, erklärte Gräsner. Dadurch entstehe ein insgesamt falscher Eindruck von Ablauf und Anforderungen einer Wiederbelebung.

Beatmung ist nicht grundsätzlich falsch

„Wir lehren zwar, dass nur Drücken besser ist als gar nichts. Aber wer einen Erste-Hilfe-Kurs gemacht hat oder medizinisch geschult ist, kann auch drücken und beatmen.“ Problematisch sei nicht die Beatmung selbst, sondern jede Verzögerung der Herzdruckmassage.

„Für das Feststellen des Kreislaufstillstands brauchen wir die Pulskontrolle nicht.“ Bewusstlosigkeit und fehlende normale Atmung reichten aus. Pulstasten könne bei Laien jedoch wertvolle Zeit kosten und sei deshalb aus der Laienausbildung entfernt worden.

Verzerrtes Bild von Betroffenen und Einsatzorten

Neben inhaltlichen Fehlern identifizierte das Studienteam deutliche Abweichungen von der epidemiologischen Realität. In den Serien waren 44 % der reanimierten Personen zwischen 21 und 40 Jahre alt, während das Durchschnittsalter von Betroffenen in der Realität bei rund 62 Jahren liegt. Zudem ereigneten sich in den TV-Darstellungen 80 % der Herzstillstände im öffentlichen Raum.

„Das kann die öffentliche Wahrnehmung verzerren. Wenn Zuschauer denken, dass ein Herzstillstand nur in der Öffentlichkeit oder bei jungen Menschen passiert, halten sie eine Reanimationsschulung vielleicht nicht für relevant für ihr eigenes Leben. Aber die meisten Herzstillstände passieren zu Hause, und die Person, die man rettet, ist wahrscheinlich jemand, den man liebt.“

Älter, männlich, zu Hause

Daten aus dem Deutschen Reanimationsregister (2025; DOI: 10.19224/ai2025.V99) zeichnen ein ähnliches Bild. Die Reanimationsinzidenz betrug 2024 insgesamt 64,2 Reanimationen pro 100.000 Einwohner. Hochgerechnet wurden damit in Deutschland mindestens 54.000 Patientinnen und Patienten nach einem außerklinischen Herz-Kreislauf-Stillstand reanimiert.

Der durchschnittliche Patient war knapp 70 Jahre alt; sehr junge Betroffene unter 18 Jahren wurden selten reanimiert. Der Anteil der über 80-Jährigen lag bei 32,6 %. Knapp 65 % der Reanimierten waren männlich, gut 35 % weiblich.

Auch der Ort des Geschehens unterscheidet sich deutlich von vielen Fernsehbildern:
68,4 % der Reanimationen fanden in der Wohnung statt, 15,8 % in der Öffentlichkeit.

Für Deutschland weist Gräsner darauf hin, dass auch hier geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Laienreanimation bestehen. Die Ursachen seien vielfältig und reichten von Altersunterschieden bis zu praktischen Hemmungen im Notfall.

Laienreanimation in Deutschland auf hohem Niveau

Positiv bewerteten die Studienautorinnen, dass in den Serien häufiger reanimiert wurde als in der Realität: 58 % der dargestellten Herzstillstände wurden durch Laien behandelt.

Quelle: https://www.aerzteblatt.de/news/fernsehserien-zeigen-reanimation-oft-falsch-d193e3c5-53f3-4c00-83da-110b30642fd5

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