Teufelskreisläufe nennt man sich selbst verstärkender Prozesse:

In meiner ärztlichen Psychotherapiepraxis tauchen zwei Phänomene als Teufelskreise immer wieder auf:

Im Laufe seines Lebens macht jede/r Erfahrungen und alle Eindrücke werden in unserem Gehirn in neuronalen Netzwerken gespeichert; nicht als fortlaufender „Film des Lebens“, sondern als Informationen und Handlungsmuster. Insbesondere negative Erfahrungen prägen sich ein, um sie in Zukunft zu vermeiden.
Bedenken wir, dass es ca. 86 Milliarden Nervenzellen mit im Durchschnitt 10.000 Verknüpfungen mit anderen näher wie ferner liegenden Zellen gibt, so können wir uns vorstellen, wie hoch unser Aufnahmevermögen ist – dabei wird keine Festplatte voll, sondern je mehr Informationen schon da sind, um so mehr passen zudem noch hinein! z.B. lernt sich eine 3. und 4. Sprache leichter als eine zweite.

Aktuelle Auslösesituationen, seien es reale Gefahrensituationen oder Überlastungen in der äußeren Welt oder im eigenen Inneren produzierte Phantasien, Erinnerungen oder Zukunftserwartungen die den Teufelskreis der Angst aktivieren. Diese verstärkte Aufmerksamkeit auf eine potentielle Gefahr oder Bedrohung ist zunächst einmal nur ein Warnhinweise des Körpers, achtsam zu sein. Zugleich stellt der Organismus jedoch sofort Ressourcen bereit, um die aktuelle Herausforderung zu meistern und damit aus dem Teufelskreis mit einer erfolgreichen Bewältigung der Situation auszusteigen.
Ein wesentliches Moment ist die Bewertung des wahrgenommenen Reizes: Wenn es z.B. im Film im Fernsehen brennt, können Sie getrost sitzen bleiben. Wenn aber der Fernseher brennt, sollten Sie schleunigst den Raum verlassen und die Feuerwehr rufen.

Angst ist ein sehr altes Warnsystem, das unsere Wachheit (Vigilanz) erhöht und den Stoffwechsel aktiviert und auf Handlungsfähigkeit jetzt umstellt.
Dabei werden, wie in alten Zeiten, vor allem die Muskulatur stärker durchblutet und mit Energie versorgt. Das passiert immer noch, da im Kampf um Fressen oder gefressen werden früher, Flucht oder Aggression wichtig waren, um zu überleben. Zugleich werden Gehirn und Magen-Darm-Trakt als hohe Energieverbraucher weniger Versorgt, was die im Bild oben links beschriebenen körperlichen Zeichen zur Folge haben kann.
Werden allerdings die körperlichen Veränderungen selbst nun aber als „Beweis“ dafür genommen, dass aktuell eine objektive Gefahr besteht, geht die Aufmerksamkeit nicht mehr kreativ in Richtung Lösung, sondern führt in die Eskalation des Teufelskreises der Angst. Dabei wird man sich selbst, aus eigentlich wohlmeinenden Motiven, der größte Feind und Angst steigert sich bis zur Panik.

Da wo im Bild links „Befürchtung“ steht, also in der Phantasie, wächst die Angst ins Unermessliche, da erlebt man Panik.
Faktisch aber haben alle biologischen Prozesse eine Grenze, z.B. „weil ihnen der Sprit ausgeht“,
so dass sie nach dem Erreichen einer maximalen Anspannung wieder in Richtung Entspannung müssen.
Gelingt das nicht vollständig, so können wir in die Schmerzspirale (Bild oben rechts) hineinrutschen. Schmerz macht uns auf eine Verletzung oder darauf, dass wir unsere physiologischen Grenzen überfordern, aufmerksam. Wir sollten dann bitte etwas an unserem Verhalten ändern, mit dem wir uns verletzen. Ebenso sollten wir von der Daueranspannung und dem dadurch erzeugten Druck nachlassen.

Bis auf die Furcht, die sich auf eine reale aktuelle äußere Gefahr bezieht, auf die man unbedingt reagieren solle (brennender Fernseher z.B.), hängen alle Ängste mit Phantasien zusammen, die sich aus Erinnerungen und Zukunftshochrechnungen speisen, also mit inneren Prozessen und Phantasie zusammenhängen, auf die man nicht wirklich reagieren muss (z.B. es brennt nur im Film). Doch wie im Traum erleben wir solch eine Problemtrance so, als ob es tatsächlich jetzt im Moment so wäre. Denn unsere Basalganglien an, die für unser Überleben zuständig sind, signalisieren: „Gefahr für Leib und Leben“ – auch wenn diese Aktivierung von einer Erinnerung bzw. Zukunftsbefürchtung kommt. Das Gehirn an sich kann nicht unterscheiden, ob ein Reiz von außen oder innen kommt; es braucht eine zweite „Meinung“/Position, um da eine Entscheidung zu treffen (z.B. ob Film oder reales Feuer).
Sicherheitshalber reagiert unser Organismus, als ob jetzt der Ernstfall wäre. Erst nach dem „Erwachen“ stellen wir fest, dass alles nur Einbildung, nur Traum oder Gedanke war. Weil wir während einer Problemtrace überzeugt sind, dass eine Gefahr besteht, feuert die Amygdala Alarm, während unser Verstand gerade schlecht durchblutet ist, nicht gut arbeitet und zudem nur wenige regulierende Fasern zu den entwicklungsgeschichtlich alten Gehirnteilen hat. Die für unser Überleben kämpfenden alten Hirnregionen aber haben reichliche Steuerungsverbindungen zu unserer motorischen Rinde im Großhirn, die unsere Bewegungen steuern.
Daher wissen Angstpatienten meist sehr klar, dass ihre Ängste irrational sind, handeln aber dennoch vorsichtshalber so, als ob es eine echte Gefahr gäbe.

Angst wie Schmerz sind Warnzeichen, die auffordern Aufmerksam zu sein und Gefahren- oder Überlastungssituationen zu vermeiden.
Das Wort Angst hängt eng mit Enge zusammen, da sich Muskeln zusammenziehen, sich anspannen – für Flucht oder Kampft bereit oder um sich klein und unsichtbar zu machen. Dauerbelastung führt dann über zu hohen Druck (psychisch, wie im Gewebe) zu Schmerzen, die akut z.B. warnen, die Fingerkuppe nicht weiter mit der Brotmaschine oder dem Küchenmesser zu traktieren oder dass bei Dauerbelastung die Reserven aufgebraucht sind oder funktionelle oder bereits Gewebeschäden drohen oder bereits vorhanden sind.

Quellen: Wikipedia und David WittonModell des Teufelskreises, Angstkurve aus: Kompendium der Psychotherapie, Kirchner, 2018

Ganz ähnliche ungute Entwicklungen sehen wir auch in Beziehungskonstellationen für die hier nur ein Beispiel stehen soll:

Bildquelle: Instergram

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